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Beitrag: D&O-Versicherung 2018-03-07T13:06:29+00:00

RISIKEN DER D&O-VERSICHERUNG

Der Autor geht in dem Beitrag der Frage nach, welche Problemfelder sich für den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung im Zusammenhang mit einer D&O-Versicherung ergeben können.

Was wird unter einer D&O-Versicherung verstanden?

Eine gängige Möglichkeit zur Absicherung für Aufsichtsratsmitglieder oder der (erweiterten) Geschäftsleitung ist die sog. „D&O“-Versicherung. Dabei handelt es sich um ein Versicherungsprodukt, welches ursprünglich für den US-amerikanischen Markt entwickelt wurde. Das Kürzel D&O (Abkürzung für „Directors and Officers“) hat sich mittlerweile international als Synonym für die Absicherung der Haftungsrisiken von Organmitgliedern, also Mitgliedern von Führungs- und Aufsichtsgremien, etabliert.

Eine D&O-Police soll vor den finanziellen Folgen einer persönlichen Haftung von Organmitgliedern schützen. Sie sichert den Fall ab, dass sie wegen einer bei Ausübung ihrer jeweiligen Tätigkeit begangenen Pflichtverletzung für den daraus resultierenden Vermögensschaden von dem eigenen Unternehmen oder von Dritten persönlich in Anspruch genommen werden. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei diesem Produkt um eine Art „Berufshaftpflichtversicherung“ für Organmitglieder.

Die Hürden der Praxis

Was in der Theorie überschaubar klingt, kann in der Praxis schnell zu negativen Konsequenzen führen. Allzu oft zeigt sich:

  • dass Organmitglieder keine D&O-Versicherung haben,
  • dass abgeschlossene Policen Standardlösungen sind. Im Ernstfall genügen diese unter Umständen nicht den Anforderungen oder Ausschlüsse „im Kleingedruckten“, welche nicht bekannt waren bzw. nicht beachtet wurden, sorgen für unbequeme Haftungsfälle.

Wichtig ist weiterhin zu wissen, dass es sich bei der D&O-Versicherung grundsätzlich um eine Versicherung für fremde Rechnung handelt. Dies steigert die Brisanz, da

  • der Vertragspartner des Versicherers und damit auch der Prämienschuldner das jeweilige Unternehmen und nicht etwa z.B. das einzelne Aufsichtsratsmitglied ist. Für den Schadenfall mit Innenhaftungs-Bezug bedeutet dies eine knifflige Konstellation: Der Vertragspartner des Versicherers wird mit der Erhebung des Anspruchs – etwa gegen ein Aufsichtsratsmitglied als versicherte Person – plötzlich zum „Gegner“.
  • die Kosten für eine solche Police in der Regel vom Unternehmen getragen werden. Es sollte daher der Anreiz für Aufsichtsräte und Geschäftsführer bestehen, die Versicherung als Teil des persönlichen Haftungsschutzschirms zu verstehen und gegebenenfalls nachbessern zu lassen.

Wie kann ich meine Absicherung verbessern?

Einige ausgewählten Fragestellungen, die wir im Rahmen unserer Praxiserfahrungen mit unseren Mandanten nachjustierten, sind hilfreich, die eigene Absicherung auf den Prüfstand zu stellen:

  • Werden die Abwehrkosten auch dann übernommen, wenn der Haftpflichtanspruch die Deckungssumme übersteigt?
  • Kann nach meinem ordentlichen Ausscheiden aus der Gesellschaft von meinem D&O-Anbieter eine individuelle D&O-Police ausschließlich zum individuellen Schutz erhalten werden?
  • Bleibt der Versicherungsschutz auch bei einem Eigentümerwechsel des Unternehmens erhalten?
  • (Wie weit) Lassen sich die Bedingungen auf den individuellen Bedarf anpassen/nachbessern?
  • Wurden Ihnen verschiedenen Varianten vorgestellt (Twin-Tower, Two-Tier Trigger etc.)?

Diese Zusammenstellung ist nur ein kleiner Auszug, der jedoch offenbart, dass es viele Fragestellungen und Details auch über eine Versicherungspolice hinaus gibt, die auf die persönliche Situation zuzuschneiden sind. Denn ein gängiges Risiko gilt es zu vermeiden: Ihre Inanspruchnahme mit dem Privatvermögen. Oder positiv formuliert, geht es um den Schutz Ihres Vermögens auch lange nach Beendigung des Mandats.

Vielen Dank für Ihr Interesse

Wir würden uns freuen, wenn der Beitrag für Sie gleichermaßen Hilfreiches und Anregendes zur Würdigung der eigenen Situation beinhaltet und stehen Ihnen selbstverständlich gern im Rahmen einer Einschätzung zur Verfügung. Anzumerken ist, dass es dem Autor nicht darum geht, konkrete Versicherungsanbieter zu empfehlen oder mit diesen zu kooperieren, sondern den Organen bezüglich der individuellen Haftungsprävention begleitend zur Seite zu stehen.

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